Kick-Boxen

von Ferdinand Mack

Seit Anbeginn  der Geschichte bemühen sich die Menschen um Methoden  und Hilfe sich gegen Feinde verteidigen zu können.
In vielen Ländern entwickelten sich Kampfkünste zur gleichen Zeit. Nur wenig ist davon noch überliefert. Sicherlich auch weil viele Kampfkünste im Geheimen betrieben wurden.

Aus Geschichtsbüchern über das Kämpfen wissen wir dass z.B. im europäischen Mittelalter sich die Ritter ähnlich den japanischen Samurai im Schwert, Faust und Ringkampf übten.

Griechenland: Von der Olympischen Geschichte ist z. B. überliefert dass ca. 700 v. Chr. das Ringen Olympische Disziplin wurde. 650 v. Chr. wurde das Pankration in die olympische Disziplinen aufgenommen. Eine Vor-Sport-Art des heutigen Free Fight. In Italien entstanden die Gladiatorenkämpfe die fast immer tödlich endeten.  In England entstand der Faustkampf. Später wurde daraus das Boxen.

Als Begründer des Faustkampfes gilt James Figg. Der Fechtlehrer Figg gründete 1719 in London eine Schule zur Verteidigung mit Klingen und Knöcheln.

1867 führte John Soholto Douglas der achte Marquis of Queensberry neue Regeln ein, und mit dem Regelwerk das Boxhandschuhe vorschrieb wurde dem Faustkampf ein Ende gesetzt und das Boxen wurde geboren. Der Autor dieser ,,Queensberry Regeln“ war Douglas jedoch nicht., sondern John Graham Chambers, der den Marquis nur als Gönner brauchte.

Der erste anerkannte Schwergewichtsmeister war der Engländer John Lawrence Sullivan, der die alte Epoche des der blanken Knöchel in die neue Ära der gepolsterten Fäuste überleitete. 1882 wurde der letzte Kampf ohne Handschuhe ausgetragen.

In Thailand entstand die Kampfmethode Muay Thai. Besser bekannt als Thai-Boxen. Es heißt dass das Muay Thai bis 1560 zurückgeht. Anfangs wurde mit bloßen Händen gekämpft. Später wurden die Hände mit Hanf umwickelt und wenn beide Kämpfer zustimmten wurde am Hanf Glas befestigt. Erst nach dem 2. Weltkrieg wurden Regeln aufgestellt und mit Handschuhen gekämpft.

1530 wurden afrikanische Stämme aus Angola als Sklaven nach Brasilien verschleppt. Diese Sklaven brachten eine Kampf-Methode, die Urform des heutigen Capoeira mit nach Amerika bzw. Brasilien. Diese Kampfkunst wurde als Tanz getarnt und bis Heute mit Musik begleitet. 1808 wurde dieser rebellische Kampftanz verboten. Erst 1938 war Capoeira in Brasilien erlaubt. Capoeira wird immer mit Musik begleitet (Musikbogen und Trommeln).

Die asiatischen Kampfkünste sind unüberschaubar.
Dennoch kann gesagt werden dass sich die asiatischen Kampfsysteme in drei großen Kulturkreisen entwickelten: im südostasiatischen Raum (Indien und Südasien), in China und in Japan. Innerhalb dieser Kulturkreise sind die Kampfkünste meist miteinander verwandt.

China: Der Ursprung der chinesischen Kampfkünste liegt in grauer Vorzeit und geht bis ins 12. und 13. Jahrhundert vor Christus zurück.
Legendär wurde jedoch viel später der indische Mönch BODHIDHARMA, der im 6. Jahrhundert im indischen Tempel Shaolin den dortigen Mönchen zunächst zu Zwecken der Körperertüchtigung bestimmte Übungen zeigte. Hieraus entwickelte sich die Kampfkunst des Shaolin – Tempelboxens, (Shaolin Quanfa). Die Shaolin Schulen, die Hunderte von Systemen entwickelt haben, sind durch ihren Ursprung stark vom
Zen-Buddhismus beeinflusst. Die Chinesen kopierten in ihren Kampfkünsten viele Tiere die sie beim kämpfen beobachteten. So entstanden immer neue Stile.

In Japan entstanden bekannte Kampfkünste wie Ken Jutsu, Jiu Jitsu, Kyu Jutsu, Aiki Jutsu, Kempo und Karate. Diese Kampfkünste entstanden überwiegen aus der Schmiede der japanischen Ritter der Samurai, die sich in erster Linie in der Schwertkunst dem Ken Jutsu übten, dem Vorläufer des heutigen Kendo. In Japan endeten die meisten Namen der Kampfkünste mit Jutsu. Übersetzt heißt das Kunst.
Als die Schusswaffen ihren Siegeszug in Japan hatten verschwanden die Samurai Ritter und immer mehr die alten Kriegskünste. Um die Kampfkünste wieder aufleben zu lassen kam das “Do”. Der Weg bzw. der geistige Weg. Es entstanden die Kampkünste  Judo, Aikido, Kendo, Kyudo, Karate-Do, in Korea Taekwondo usw.

Da zum Überleben die Kampfkünste nicht mehr zwingend notwendig waren, wurden viele Kampfkünste immer mehr zum Sport. Es ging nicht mehr in erster Linie darum sein Leben, Ehre, Hab und Gut zu verteidigen, sondern im sportlichen Wettkampf Punkte zu sammeln.
Es bildeten sich bis Heute zwei Lager in Sachen Kampfkunst und Kampfsport. Während beim Karate und Kendo (Stockfechten) fleißig Punkte gesammelten werden, geht es im Kampf um Leben und Tod um den ersten entscheidenden Treffer.

Die USA ist eine Hochburg des Boxsports. Den stärksten Einfluss auf die aus Asien importierten Kampfkünste hatten Japan, Okinawa und Hawai. Durch die Besatzung Japans, Okinawa und Korea erfuhren die USA den nächsten starken Einfluss. Rein Chinesische Systeme kamen durch Immigranten ins Land, blieben zunächst ein Privileg der Chinesen und wurden später durch Kung-Fu-Filme populär. Der Name Kung Fu ist übrigens nicht der richtige Name der chinesischen Kampfkünste. Sondern wurde durch die Amerikaner verbreitet. Kung Fu heißt eigentlich Kunst. Wenn du etwas gut beherrschst  sagen die Chinesen: “Dein Kung Fu ist gut”. Der richtige Name der chinesischen Kampfkünste ist eigentlich Quanfa. Die bekanntesten Stile in China sind Shaolin, Wu Shu, Taiji und Wing Tsun. Dem Kampfkünstler und Schauspieler Bruce Lee gelang es durch seine Filme “Kung Fu” und die Kampfkünste populär zu machen.

Durch die Vielzahl der verschiedenen Kampfsportarten und deren Regeln war es jedoch nicht möglich sich auf sportlicher Ebene verletzungsfrei zu messen. Anfang der 70-iger Jahre entwickelte der in Washington lebende Koreaner Jhoon Ree inspiriert von Bruce Lee eine spezielle Schutzausrüstung für Hände, Füße und Kopf. Das Safe-T-Equipment war geboren.

Im Jahre 1974 wurden in Long Beach, USA, die ersten Profi Weltmeisterschaften im Vollkontakt auszutragen. Veranstalter Mike Anderson, seinerzeit Initiator des Profiverbandes PKA und später Präsident des Amateure Verbandes WAKO war der Begründer des Kick-Boxsportes, damals noch Sport- oder Karate genannt. Möglich wurde diese neue Variante des Karate, bei der nun mit leichtem (Semikontakt) oder vollem Kontakt gekämpft wurde durch die Schutzausrüstung von Jhoon Ree.

Der Berliner Karate Meister, Stuntman Erfinder und Sportschulenbesitzer Georg F. Brückner richtete als erster Deutscher in der Berliner Deutschlandhalle die ersten Veranstaltungen in dieser neuen Disziplin aus. 1977 gründete er zusammen mit Mike Anderson und anderen Anhängern dieses neuen Systems die World All-Style Karate Organisation, kurz WAKO genannt.

Alle Stile sollten hier ihr Zuhause finden und sich miteinander sportlich messen. In kurzer Zeit wurde daraus ein Verband der weltweit Wettkämpfe veranstaltet, so dass Brückner schon 1978 die erste Weltmeisterschaft in seiner Heimatstadt organisierte, 1979 folgte die zweite in den USA. In späteren Jahren wurden Europa und Weltmeisterschaften bis Heute im zweijährigen Wechsel ausgetragen.
Die WAKO trägt heute den Namen: World Association of Kickboxing Organizations.

Brückners letzte große Weltmeisterschaft als Organisator fand 1987 in der Münchner Olympia Halle statt. Daraufhin widmete er seine Zeit in der Erfindung und Entwicklung der neuartigen Kampfsportausrüstung TOP TEN, die 1992 als Boxausrüstung den Einzug in die Olympischen Spiele erreichte. Brückner der das Regelwerk für ein gesundes und verletzungsfreies Kick-Boxen ohne “Tieftritte”  schuf, starb noch im gleichen Jahr an einem Krebsleiden.

 

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